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]]>Keine Zeit für Weiterbildung? Wie kleine Lernfenster helfen können
Serie: Weiterbildung im Team aktivieren – Teil 2
Von: Sebastian Dörnhöfer
„Dafür fehlt uns gerade die Zeit“ gehört zu den Sätzen, die in Gesprächen über Weiterbildung früher oder später fast zwangsläufig fallen. Gerade in IT-Teams ist das wenig überraschend: Projekte laufen parallel, Systeme müssen verfügbar bleiben, Sicherheitsfragen dulden mitunter keinen Aufschub und neue Anforderungen kommen hinzu, während sich Technologien schneller verändern, als manche Projektplanung hinterherkommt.
Daraus mangelnde Lernbereitschaft abzuleiten, würde an der Realität vieler Teams vorbeigehen. Der Pluralsight Tech Skills Report 2025 nennt fehlende Zeit bereits zum vierten Mal in Folge als größte Hürde beim Aufbau neuer technischer Fähigkeiten. Gleichzeitig bezeichnen 95 Prozent der befragten Führungskräfte den Aufbau einer Lernkultur rund um Daten und Technologie als Priorität; ebenso viele IT- und Business-Professionals geben an, beim Aufbau technischer Kompetenzen mehr Unterstützung zu benötigen.
Zwischen dem Stellenwert, den Unternehmen Weiterbildung zuschreiben, und den Bedingungen, unter denen sie im Alltag stattfinden soll, liegt damit häufig eine bemerkenswerte Lücke. Mehr freie Stunden lassen sich in einem ausgelasteten Team nur selten herbeiorganisieren. Beeinflussen lässt sich jedoch, welchen Platz Lernzeit in der täglichen Priorisierung bekommt und wie flexibel sie sich an unterschiedliche Arbeitssituationen anpassen lässt.
Das Problem mit dem berühmten „wenn Zeit ist“
Viele Unternehmen möchten Weiterbildung unkompliziert ermöglichen. Mitarbeitende bekommen einen Zugang und dürfen ihn während der Arbeitszeit verwenden; die begleitende Botschaft lautet sinngemäß häufig: „Schaut gerne rein, wenn es bei euch passt.“
Diese Offenheit ist sympathisch, im Tagesgeschäft jedoch anspruchsvoll. Eine Aufgabe mit Termin, ein Kundenproblem oder eine laufende Abstimmung bringen ihre Priorität bereits mit. Weiterbildung besitzt häufig keinen vergleichbaren Zeitpunkt, an dem sie zwingend stattfinden muss, und lässt sich deshalb ohne unmittelbare Konsequenzen verschieben. Aus „diese Woche“ wird die nächste, dann der nächste Sprint oder die Zeit nach dem aktuellen Projekt.
Ein solcher Verlauf braucht keine bewusste Entscheidung gegen Lernen. Niemand muss die Lernzeit streichen oder Weiterbildung für unwichtig erklären; es genügt, dass andere Aufgaben ihren Platz im Kalender und in den Erwartungen des Teams konsequenter beanspruchen.
Auch Beschäftigte nehmen diese Spannung wahr. In der Weiterbildungsstudie 2024 von Bitkom Akademie und HRpepper gaben 87 Prozent an, dass ihnen Zeit für Weiterbildung im Arbeitsalltag wichtig ist. Mehr als die Hälfte berichtete zugleich, dass Weiterbildung ohne vorgegebene Termine schwer in den Arbeitsalltag zu integrieren sei; 39 Prozent erleben sie sogar als zusätzliche Belastung.
Lernzeit berührt damit neben der Kalenderplanung auch die Unternehmenskultur. Mitarbeitende müssen darauf vertrauen können, dass fachliche Weiterbildung während der Arbeitszeit tatsächlich vorgesehen ist und bei normaler Belastung einen legitimen Platz neben anderen Aufgaben besitzt.
Weiterbildung muss nicht immer einen halben Tag beanspruchen
Ein Teil der Hürde entsteht bereits durch die Vorstellung davon, wie Weiterbildung auszusehen hat. Wer zuerst an einen vollständigen Kurs, einen Seminartag oder mehrere ungestörte Stunden denkt, wird in einem dicht gefüllten Arbeitsalltag schnell zu dem Schluss kommen, dass dafür gerade wenig Raum vorhanden ist.
Für komplexe Themen braucht es selbstverständlich längere Formate. Ein neues Fachgebiet lässt sich nicht in zwanzig Minuten erschließen, und ein mehrteiliger Classroom verfolgt einen anderen Anspruch als ein kurzer fachlicher Impuls. Berufliches Lernen findet dennoch längst in sehr unterschiedlichen Zeiteinheiten statt.
In der Administration wird vielleicht gerade ein bestimmter Abschnitt zu einer M365-Konfiguration benötigt, in der Entwicklung steht vor einem Projekt eine neue Funktion eines KI-Werkzeugs im Fokus, während auf IT-Verantwortungsebene zunächst ein Überblick über eine regulatorische Veränderung gebraucht wird, bevor sich die erforderliche Vertiefung einschätzen lässt.
Auch in der betrieblichen Weiterbildung insgesamt lässt sich eine Entwicklung zu kürzeren Formaten beobachten. Der Umsetzungsbericht zur Nationalen Weiterbildungsstrategie verweist auf Daten des Adult Education Survey, nach denen Weiterbildungen von lediglich einigen Stunden inzwischen fast die Hälfte der betrieblichen Weiterbildungsaktivitäten ausmachen. Umfangreichere Qualifizierungen verlieren dadurch keineswegs ihren Wert; die Formen beruflichen Lernens haben sich vielmehr deutlich ausdifferenziert.
Für Unternehmen eröffnet der zusätzliche Spielraum. Je nach Ziel können 20 oder 30 Minuten ausreichen, wenn der Lernbedarf bereits klar umrissen ist und die verfügbare Zeit nicht erst mit der Suche nach einem geeigneten Inhalt verloren geht.
Lernzeit muss zum Nutzungsmodell passen
Ein fester Lernslot klingt zunächst nach einer einfachen Antwort auf das Zeitproblem. „Jeden Freitag 30 Minuten Lernen“ kann für manche Teams tatsächlich eine hilfreiche Routine schaffen; in anderen Organisationen wird derselbe Termin nach wenigen Wochen regelmäßig verschoben, weil Arbeitsweise und Lernmodell nicht zueinander passen.
Deshalb sollte die Form der Lernzeit aus der gewünschten Nutzung entstehen. Ein Team mit festem Lernrhythmus profitiert eher von wiederkehrenden Terminen, während projektbezogene Weiterbildung ihre Zeit genau dann benötigt, wenn ein fachlicher Bedarf entsteht. Wer den Lernzugang vor allem für individuelle Entwicklung bereitstellt, braucht wiederum größere Flexibilität.
Ein verlässliches 30-Minuten-Fenster, das über Monate Bestand hat, kann dabei wertvoller sein als ein ambitionierter halber Lerntag, der nur auf dem Papier existiert. Die passende Lösung erkennt man weniger an ihrer Größe als daran, ob sie im jeweiligen Arbeitsumfeld tatsächlich durchgehalten werden kann.
Lernzeit braucht kulturelle Legitimität
Eine formale Freigabe allein sagt noch wenig darüber aus, wie Mitarbeitende ihre Lernzeit erleben. In manchen Teams ist es selbstverständlich, während des Arbeitstages einen Kurs zu öffnen; andernorts entsteht schnell das Gefühl, zuerst müsse die „eigentliche Arbeit“ erledigt werden.
Diese unausgesprochenen Erwartungen prägen Lernverhalten erheblich. Eine Organisation kann Weiterbildung ausdrücklich erlauben und trotzdem eine Kultur entwickeln, in der Lernzeiten bei höherem Arbeitsdruck als Erstes verschwinden oder auf den Abend verlagert werden. Dass nur 21 Prozent der Beschäftigten in der Bitkom-/HRpepper-Studie 2024 von Arbeitszeitregelungen berichten, die Lernzeiten berücksichtigen, zeigt zumindest, dass eine feste Verankerung keineswegs selbstverständlich ist.
Führungskräfte beeinflussen diese Wahrnehmung stark. Wird ein vereinbartes Lernfenster bei jeder Engstelle gestrichen, versteht ein Team die tatsächliche Priorität sehr schnell. Bleibt es dagegen auch in normalen Belastungsphasen bestehen, vermittelt das eine andere Haltung: Fachliche Entwicklung gehört zur Arbeit und muss sich ihre Berechtigung nicht jedes Mal neu verdienen.
Dafür braucht es keine detaillierte Kontrolle der Lernaktivität. Verlässlichkeit ist an dieser Stelle wesentlich wichtiger als Reporting darüber, wer wann welche Minute gelernt hat.
Kleine Einheiten brauchen die richtige Erwartung
Wer Weiterbildung in kleineren Einheiten ermöglicht, sollte anschließend auch die Erwartungen an Nutzung entsprechend einordnen. Nicht jeder wertvolle Lernmoment endet mit einem vollständig abgeschlossenen Kurs.
Zwanzig Minuten eines Videokurses können ausreichen, um eine konkrete technische Frage besser zu beantworten; ebenso kann ein einzelner Abschnitt einer Aufzeichnung genau das Wissen liefern, das für ein aktuelles Projekt benötigt wird. Solche Formen digitaler Weiterbildung passen zu einem Arbeitsalltag, in dem Lernen häufig bedarfsbezogen statt linear erfolgt.
Das macht Abschlüsse oder Teilnahmebescheinigungen keineswegs bedeutungslos. Wo ein Lernziel einen vollständigen Kurs, einen Nachweis oder eine verbindliche Qualifizierung voraussetzt, bleiben sie wichtig. Für andere Nutzungsmodelle erzählen sie jedoch nur einen Teil der Geschichte.
Wie bedarfsbezogene Nutzung einzuordnen ist und wann auch einzelne Kursabschnitte ihren Zweck erfüllen können, betrachten wir in Teil 5 der Serie ausführlicher. Für die Frage nach Lernzeit reicht an dieser Stelle die Feststellung, dass kleine Lernfenster auch dann ihren Wert entfalten können, wenn sie nicht in einen vollständigen Kursabschluss münden.
Ein realistischer Anfang
Aus der Erkenntnis „Wir sollten mehr Lernzeit ermöglichen“ muss kein komplexes Modell entstehen. Ein pragmatischer Einstieg genügt, solange anschließend beobachtet wird, ob die gewählte Lösung im Arbeitsalltag Bestand hat, von den Mitarbeitenden tatsächlich genutzt wird und zum jeweiligen Nutzungsansatz des Unternehmens passt. Solche Beobachtungen liefern häufig mehr Erkenntnis als eine allgemeingültige Zahl von Lernstunden pro Monat.
Zeitmangel wird dadurch nicht verschwinden. Auch ein gut organisierter Lernrhythmus ändert nichts an hoher Auslastung und wechselnden Prioritäten. Der Unterschied liegt darin, ob Weiterbildung dauerhaft auf den seltenen Moment wartet, an dem gerade nichts Dringenderes ansteht, oder einen realistischen und akzeptierten Platz im Arbeitsalltag erhält.
Im nächsten Beitrag schauen wir deshalb auf die nächste Voraussetzung für tatsächliche Nutzung: den Lernanlass. Denn verfügbare Zeit beantwortet noch nicht, warum sich jemand ausgerechnet jetzt mit einem bestimmten Thema beschäftigen sollte.
Über diese Serie
In dieser Beitragsreihe geht es darum, wie Unternehmen Weiterbildung im Team besser sichtbar machen, vorhandene Lernzugänge aktiver nutzen und Lernen realistisch im Arbeitsalltag verankern können. So entsteht eine Grundlage, um Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf neue fachliche Anforderungen vorbereitet zu sein.

Know-how kann man teilen. Zum Glück
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Über den Autor: Sebastian Dörnhöfer
Sebastian Dörnhöfer verantwortet das Customer Success Management bei der heise academy. Seine berufliche Laufbahn verbindet mehr als zehn Jahre Erfahrung im B2B-Umfeld mit Stationen in Beratung, Sales, Key Account Management und Customer Success. Dabei hat er Kundenbeziehungen ebenso begleitet wie Customer-Success-Strukturen, Prozesse und datenbasierte Steuerungsansätze mit aufgebaut und weiterentwickelt. Heute beschäftigt er sich insbesondere damit, wie digitale Weiterbildung im Unternehmen tatsächlich genutzt, im Arbeitsalltag verankert und langfristig zu einer wirksamen Lernstrategie weiterentwickelt werden kann.
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]]>Warum Weiterbildung im Team oft ungenutzt bleibt
Serie: Weiterbildung im Team aktivieren – Teil 1
Von: Sebastian Dörnhöfer
Weiterbildung hat in vielen Unternehmen längst einen anderen Stellenwert als noch vor einigen Jahren. Gerade in der IT ist der Druck zur fachlichen Weiterentwicklung deutlich zu spüren: Technologien verändern sich in kurzer Zeit, Sicherheitsanforderungen wachsen, neue Werkzeuge rund um Künstliche Intelligenz greifen in etablierte Arbeitsweisen ein und qualifizierte Fachkräfte lassen sich weiterhin nicht beliebig schnell am Markt finden. Vorhandenes Wissen aktuell zu halten und Kompetenzen kontinuierlich im eigenen Team weiterzuentwickeln, ist deshalb für viele Unternehmen zu einer sehr bewussten Investition geworden.
Die Voraussetzungen dafür sehen zunächst oft gut aus. Ein Weiterbildungsangebot wird ausgewählt, Lizenzen werden vergeben, Mitarbeitende erhalten ihre Zugänge und zum Start gibt es eine interne Nachricht oder eine kurze Vorstellung im Team. Vielleicht werden bereits erste Inhalte empfohlen. Organisatorisch ist damit einiges vorbereitet; ob Weiterbildung anschließend tatsächlich einen Platz im Arbeitsalltag findet, entscheidet sich allerdings erst danach.
Nach einigen Wochen zeigt sich häufig ein gemischtes Bild. Manche Mitarbeitende nutzen das Angebot regelmäßig, andere haben sich einmal umgesehen und danach keinen weiteren Einstieg gefunden. Wieder andere wissen zwar, dass ihnen Weiterbildung zur Verfügung steht, könnten aber kaum sagen, wann oder wofür sie den Zugang zuletzt bewusst eingesetzt haben.
In Gesprächen über geringe Nutzung landet man dann schnell bei der Motivation. Vielleicht fehlt das Interesse, vielleicht ist das Tagesgeschäft zu präsent oder das Angebot passt nicht gut genug. Solche Gründe können im Einzelfall zutreffen. Häufiger lohnt sich jedoch ein genauerer Blick auf die vielen kleinen Entscheidungen, die zwischen einem bereitgestellten Lernzugang und seiner tatsächlichen Nutzung liegen.
Nach dem Start beginnt die eigentliche Herausforderung
Die Einführung eines neuen Weiterbildungsangebots erzeugt zunächst Aufmerksamkeit. Mitarbeitende schauen hinein, probieren Funktionen aus und beschäftigen sich mit der Frage, welche Inhalte für sie interessant sein könnten. Dieser anfängliche Impuls trägt ein Angebot jedoch nur begrenzte Zeit, denn schon nach wenigen Tagen übernimmt wieder der normale Arbeitsalltag mit seinen Projekten, Abstimmungen, Supportfällen, technischen Störungen und kurzfristig sichtbaren Erwartungen.
Weiterbildung besitzt in diesem Umfeld eine besondere Eigenschaft: Sie lässt sich vergleichsweise leicht verschieben. Ein dringendes Ticket meldet sich von selbst, ein Projekt hat seinen Termin und ein Problem im Betrieb fordert unmittelbar eine Reaktion. Der Nutzen fachlicher Entwicklung liegt häufig weiter in der Zukunft und erzeugt deshalb weniger unmittelbaren Druck. Wer zwischen mehreren Aufgaben priorisieren muss, orientiert sich meist an dem, was in diesem Moment sichtbar erwartet wird; Weiterbildung kann so über Wochen an Präsenz verlieren, obwohl ihre Bedeutung im Team grundsätzlich anerkannt ist.
Für Unternehmen beginnt an dieser Stelle die eigentliche Aktivierungsaufgabe: Der Zugang ist vorhanden, jetzt muss geklärt werden, welchen Platz Lernen im jeweiligen Arbeitsumfeld überhaupt einnehmen soll.
Niedrige Nutzung erzählt noch nicht die ganze Geschichte
Nutzungszahlen sind hilfreich, ihre Interpretation ist jedoch anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick scheint. Wenige Logins oder geringe Kursaktivität können auf fehlendes Interesse hinweisen, ebenso gut aber auf Zeitmangel, eine unklare Auswahl, fehlende fachliche Anlässe oder eine Nutzungsform, die bewusst nur bei konkretem Bedarf vorgesehen ist.
Deshalb sollte vor jeder Aktivierungsmaßnahme geklärt werden, welche Rolle Weiterbildung im jeweiligen Unternehmen erfüllen soll. Ein freier Entwicklungszugang als Benefit folgt anderen Erwartungen als ein wiederkehrender Themenfokus oder ein fester Lernrhythmus. Projektbezogenes Lernen entsteht rund um konkrete fachliche Bedarfe, während verbindliche Qualifizierungen klar definierte Inhalte und gegebenenfalls einen Nachweis voraussetzen. Diese Ausgangslagen unterscheiden sich damit nicht nur organisatorisch; sie verlangen auch unterschiedliche Formen der Begleitung.
Erst im Verhältnis zum jeweiligen Ziel lässt sich beurteilen, ob die tatsächliche Nutzung angemessen ist oder ob Handlungsbedarf besteht. Bei einer verpflichtenden Qualifizierung kann eine niedrige Abschlussquote ein deutliches Warnsignal sein. In einem projektbezogenen Modell kann dagegen bereits ein gezielt genutzter Kursabschnitt seinen Zweck erfüllt haben, wenn er bei einer konkreten fachlichen Frage weiterhilft.
Wer unterschiedliche Teams an derselben Vorstellung von „guter Nutzung“ misst, läuft Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen. Die Qualität einer Weiterbildungsstrategie beginnt bereits bei der Klarheit darüber, welchen Zweck das Angebot im eigenen Unternehmen erfüllen soll.
Zwischen Angebot und Nutzung entsteht Reibung
Selbst bei grundsätzlich vorhandenem Interesse ist der Weg zum Lernen nicht immer so unkompliziert, wie ein funktionierender Plattformzugang vermuten lässt. Mitarbeitende müssen entscheiden, welches Thema gerade relevant ist, wie tief sie einsteigen möchten und ob ein bestimmtes Format zur aktuellen Situation passt. Gerade bei neuen Fachgebieten kann bereits diese Einordnung Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen.
Solche Hürden wirken unscheinbar, summieren sich im Arbeitsalltag aber schnell. Deshalb können kleine Hilfen einen Unterschied machen: eine fachlich passende Empfehlung, ein klarer Bezug zu einem aktuellen Thema oder ein nachvollziehbarer Einstiegspunkt.
Geringe Nutzung entsteht selten aus einer einzigen Ursache. Wer sie verbessern möchte, sollte zunächst verstehen, an welcher Stelle zwischen Verfügbarkeit, Arbeitsalltag und tatsächlichem Lernbedarf Reibung entsteht.
Vom verfügbaren Angebot zur tatsächlichen Nutzung
Viele Unternehmen haben die organisatorischen Voraussetzungen für Weiterbildung längst geschaffen: Budget, Inhalte und Zugänge sind vorhanden. Ob daraus tatsächliche Nutzung entsteht, hängt davon ab, welchen Platz Lernen im Arbeitsalltag erhält und wie gut das Weiterbildungsangebot zum jeweiligen Nutzungsziel passt.
Eine realistische Bestandsaufnahme bietet dafür einen guten Ausgangspunkt: Wie wird Weiterbildung heute genutzt, welche Form der Nutzung wünschen wir uns und an welchen Stellen verliert sie im Alltag an Boden?
Im nächsten Beitrag der Serie beschäftigen wir uns mit einer der häufigsten Hürden: fehlender Zeit. Dabei geht es darum, wie Lernen auch in einem vollen Arbeitsalltag einen realistischen und akzeptierten Platz bekommen kann.
Über diese Serie
In dieser Beitragsreihe geht es darum, wie Unternehmen Weiterbildung im Team besser sichtbar machen, vorhandene Lernzugänge aktiver nutzen und Lernen realistisch im Arbeitsalltag verankern können. So entsteht eine Grundlage, um Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf neue fachliche Anforderungen vorbereitet zu sein.

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Über den Autor: Sebastian Dörnhöfer
Sebastian Dörnhöfer verantwortet das Customer Success Management bei der heise academy. Seine berufliche Laufbahn verbindet mehr als zehn Jahre Erfahrung im B2B-Umfeld mit Stationen in Beratung, Sales, Key Account Management und Customer Success. Dabei hat er Kundenbeziehungen ebenso begleitet wie Customer-Success-Strukturen, Prozesse und datenbasierte Steuerungsansätze mit aufgebaut und weiterentwickelt. Heute beschäftigt er sich insbesondere damit, wie digitale Weiterbildung im Unternehmen tatsächlich genutzt, im Arbeitsalltag verankert und langfristig zu einer wirksamen Lernstrategie weiterentwickelt werden kann.
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]]>Die Quantenrevolution kommt – ist dein Unternehmen vorbereitet?
Warum du jetzt auf quantensichere E-Mail-Verschlüsselung umsteigen solltest
Von: Hanna Bozakov
Quantencomputer können heutige Verschlüsselung noch nicht knacken – aber Cyberkriminelle sammeln bereits Daten, um sie später zu entschlüsseln. Die Zeit für quantensichere Lösungen ist jetzt.
Die Entwicklung im Quantencomputing geht gerade mit großen Schritten voran. Erst im März hat Google angekündigt, bis 2029 quantensicher unterwegs sein zu wollen – und als einer der Hauptinvestoren im Bereich Quantencomputing ist Google sicher eines der Unternehmen, die am besten einschätzen können, wie nah wir am Durchbruch sind. Doch was können Quantencomputer heute – und wie werden sie unsere sicheren Kommunikationswege im Internet verändern? Eine Analyse.
Das Wichtigste zuerst: Stand heute gibt es keine Quantencomputer, die derzeit gängige Verschlüsselungsverfahren wie AES, RSA oder ECC brechen können. Aber: Niemand weiß ganz genau, wann sich das ändern wird.
Quantencomputer: Qubits statt Bits
Eine neue, vielversprechende Generation von Demonstratoren, die mit Quantenchips laufen, wurde in den letzten drei Jahren veröffentlicht, zuerst Condor von IBM mit über 1.000 Qubits, dann Willow von Google, Majorana-I und Majorana-II von Microsoft sowie Ocelot von Amazon. Mit jeder Veröffentlichung eines neuen Demonstrators werden die Berechnungen, die darauf laufen können, stabiler und weniger fehleranfällig.
Denn genau darin liegt die Herausforderung bei Quantencomputern, dafür zu sorgen, dass die Demonstratoren stabil und ohne große Fehleranfälligkeit skaliert werden können. Quantenchips funktionieren anders als klassische Computerchips – sie arbeiten nicht mit klassischen Bits mit dem eindeutigen Status 0 oder 1, sondern ihre Qubits nehmen eine Superposition von 0 und 1 gleichzeitig ein, können so anders rechnen und andere Algorithmen zur Berechnung nutzen. Daher bringen sie auch andere Herausforderungen mit sich.
So müssen die Quantenchips extrem gut gekühlt werden, damit Berechnungen stabil ablaufen können. Dennoch macht die Forschung gerade große Fortschritte, die Demonstratoren von Microsoft, Google, IBM und Amazon werden immer stabiler. Sobald die Entwicklerinnen und Entwickler es schaffen, diese zu skalieren, ist zumindest asymmetrische Verschlüsselung basierend auf RSA und ECC hinfällig.
Theorie vs. Realität – wie nah ist die Gefahr?
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung etwa von E-Mails basiert auf Algorithmen, die für klassische Computer praktisch nicht zu brechen sind, denn sie würden dafür Tausende von Jahren brauchen. Ein neuer Algorithmus, der sogenannte Shor-Algorithmus, kann diese Probleme jedoch innerhalb weniger Minuten oder Stunden lösen und somit heutige asymmetrische Verschlüsselungen brechen. Peter Shor hat dies bereits in den 90ern theoretisch bewiesen, allerdings kann dieser Algorithmus nur auf einem Quantencomputer laufen. Damit er dann auch unsere Ende zu Ende verschlüsselten E-Mails entschlüsseln kann, muss der Algorithmus auf einem leistungsstarken Quantencomputer mit etwa 20 Millionen Qubits laufen.
Man könnte also denken: Alles super, derzeit sind meine Daten nicht in Gefahr. Aber so einfach ist es nicht. Denn wir versenden ja bereits heute vertrauliche Daten per E-Mail, die auch in zehn oder 20 Jahren noch vertraulich sein sollen. Dies können wir aber nur gewährleisten, wenn wir bereits heute quantensichere Verschlüsselung nutzen. Andernfalls besteht das Risiko, dass Ende zu Ende verschlüsselte E-Mails im Internet abgegriffen und gespeichert werden, mit dem Ziel, diese Daten zu entschlüsseln, sobald Quantencomputer verfügbar sind. Stichwort: Harvest now, decrypt later.
Rettender Anker: Post-Quanten-Verschlüsselung (PQC)
Während es heute noch keine Quantencomputer gibt, brauchen wir diese auch gar nicht, um quantensicher verschlüsseln zu können. Stattdessen müssen wir existierende Verschlüsselungsverfahren mit neuen Algorithmen ausstatten, die unsere Daten gegen Angriffe von Quantencomputern absichern.
Dabei müssen wir uns hauptsächlich die asymmetrische Kommunikation, zum Beispiel verschlüsselte E-Mails oder verschlüsselten Dateiaustausch, anschauen. Symmetrische Verschlüsselung, also das einfache Abspeichern von Daten auf einem Server, kann bereits heute mit dem klassischen Algorithmus AES-256 erfolgen. Dieser Algorithmus gilt als quantensicher, da bisher noch kein Quanten-Algorithmus entdeckt wurde, der diesen brechen kann.
Für asymmetrische Verschlüsselung gibt es seit August 2024 den neuen Algorithmus Kyber (ML-KEM), der vom amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) in mehreren Runden ausgewählt und durch intensives Peer Reviewing für sicher und geeignet zum Schutz gegen Angriffe von Quantencomputern befunden wurde.
PQC in der Praxis: PGP und TutaCrypt
Die Post-Quanten-Kryptografie (PQC) wird derzeit aktiv in den OpenPGP-Standard integriert, um verschlüsselte E-Mails vor zukünftigen Quantencomputern zu schützen. Dieses Protokoll setzt beispielsweise auch Proton Mail zur E-Mail-Verschlüsselung ein. Die Internet Engineering Task Force (IETF) steht kurz vor der Fertigstellung einer Spezifikation zur Einführung quantenresistenter Algorithmen in Pretty Good Privacy (PGP), die die anfälligen klassischen asymmetrischen Verfahren ersetzen sollen.
Quantensichere E-Mail-Verschlüsselung ist außerdem seit 2024 mit TutaCrypt als Open Source verfügbar, welches in einem Forschungsprojekt von Tuta mit der Leibniz Universität Hannover entwickelt wurde. TutaCrypt ist ein quantenresistentes hybrides Verschlüsselungsprotokoll, das den klassischen Algorithmus ECDH X25519 mit dem quantenresistenten Algorithmus ML-KEM kombiniert. Eine solche „doppelte“ Verschlüsselung ist nötig und wird von Kryptografie-Experten, inklusive dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), empfohlen – für den Fall, dass ein anderer Angriffsvektor für den neuen Algorithmus ML-KEM gefunden werden sollte. Frei nach dem Motto: Doppelt hält besser.
Quantenresistente Algorithmen werden derzeit von immer mehr sicheren Kommunikationsanbietern integriert. So bieten beispielsweise die Chat-Apps Signal, Mattermost und Wire bereits Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit quantenresistenten Algorithmen an; Apples iMessage ebenso.
Jetzt migrieren
Bei TutaCrypt hat die Migration von klassischer hin zu hybrider quantenresistenter Verschlüsselung in Gänze sechs Jahre gedauert. Immerhin galt es die Verschlüsselung zu migrieren, ohne existierende, bereits verschlüsselte Daten zu zerstören oder zu verlieren. Dafür waren umfangreiches Testen und Validieren nötig, bevor die Migration dann tatsächlich erfolgen konnte.
Die gute Nachricht: Symmetrisch mit AES-256 verschlüsselt gespeicherte Daten sind bereits quantensicher geschützt. Allerdings muss jegliche asymmetrische Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die Unternehmen heute nutzen, mit den neuen Algorithmen upgedatet werden. Da das Migrationsprojekt nicht Monate, sondern Jahre dauern kann, muss dieses bereits heute starten. Abzuwarten, ob der Durchbruch im Quanten-Computing überhaupt kommt, ist keine Lösung. Nicht zuletzt, weil Google selbst – einer der wichtigsten Player in der Forschung dazu – im März dieses Jahres angekündigt hat, seine Systeme bis 2029 quantensicher machen zu wollen. Dieser Zeithorizont muss also sehr ernst genommen werden.
Denn die Quantenrevolution kommt. Die Frage, die man sich jetzt stellen muss, lautet: Ist mein Unternehmen vorbereitet?

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Über die Autorin: Hanna Bozakov
Hanna Bozakov ist Geschäftsführerin bei Tuta Mail, dem quantensicher verschlüsselten Kommunikationsdienst aus Hannover. Seit 2014 entwickelt sie mit ihrem Team Lösungen für private, sichere Kommunikation und ermöglicht es Nutzern und Unternehmen, die volle Kontrolle über ihre Daten zu behalten.











